Es ist wissenschaftlich beweisen: Es gibt immer weniger Insekten draußen in der Natur und ein insektenfreundlicher Garten ist noch seltener zu sehen. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, dem fällt das auf. Man bezweifelt das zwar je nach Region, wenn man z.B. im Sommer draußen auf der Terrasse sitzt und die Fliegen beim Essen stören. Oder wenn man in der Nähe eines ruhigen Sees lebt und von den Mücken genervt wird. Aber wenn man an Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge denkt, erinnert sich jeder an Zeiten, in denen es deutlich mehr solcher vor allem nützlicher Insekten gab. Auffällig war das bei langen Fahrten auf der Autobahn. Man war bei jedem Tankstop gezwungen, die Windschutzscheibe zu reinigen. Und jetzt? Man fährt man hunderte von Kilometern und findet nicht ein Insekt auf der Scheibe.

Ist das nur ein Gefühl oder Realität? Zahlreiche Studien und Untersuchungen stellen fest, dass es dramatisch ist. Eine Studie zur Biodiversität stellte Anfang 2020 fest, dass die aktuellen Rückgangsraten auf ein Aussterben von rund 40% aller weltweiten Insektenarten in den nächsten Jahrzehnten hindeutet. Eine Untersuchung diverser Naturschutzgebiete in Deutschland ergab eine Reduktion der Gesamtmasse an Insekten von über 75% seit 1990. Eine weitere von der Technischen Universität München durchgeführte Untersuchung stellte zudem fest, dass seit 2008 die Biomasse in den deutschen Wäldern um rund 40% zurückgegangen ist.

Die Ursachen sind zahlreich, aber wie so oft durch den Menschen verursacht. In der Landwirtschaft geht nichts mehr ohne Dünger und Pestizide. Wo früher wilde Blumen wachsen konnten, wird heute alles totgespritzt. Beim Obst ist es ähnlich. Wer nur ansehnliches Obst kaufen will forciert damit, dass der Produzent neben einer bestimmten Auslese auch Pestizide oder Insektizide einsetzt.

Fragen Sie sich einmal: Wie insektenfreundlich ist mein Garten?

Eine Möglichkeit für diejenigen, die keinen eigenen Garten haben, ist auf gespritzte Lebensmittel zu verzichten und mehr auf Bioprodukte zu setzen. Wer einen eigenen Garten hat, kann schon etwas mehr tun. Vom Verzicht auf Pflanzenschutz- oder Düngemittel über ein Insektenhotel, das man selbst auf einem Balkon aufhängen kann bis zu mehr Blumenvielfalt im Garten. Insektenhotels haben sogar mehrere positive Aspekte.

Wir haben in unserem Garten insgesamt sechs solcher Hotels aufgehängt. Diese werden auch sehr gerne von allen möglichen Insekten genutzt. Und selbstverständlich haben sie auch die Vögel entdeckt. So schauen der Buntspecht oder die Meisen immer wieder einmal auf einen Snack vorbei. So haben wir mehr gleichzeitig Insekten und Vögel im Garten.

Entgegen dem komischen Trend seine Gärten möglichst pflegeleicht mit viel Kies und Steinen zu gestalten, sollte man mehr Natur zulassen. Selbst in einem modern angelegten und gepflegten Garten besteht die Möglichkeit Pflanzen zu haben, die Insekten sprichwörtlich magnetisch anziehen. Und wer brachliegende oder ungenützte Flächen hat, kann diese in eine schöne und vor allem nützliche Flora verwandeln und einfach eine wilde Blumenwiese verwandeln. Das bedeutet weder bei der Anlage noch bei der Pflege viel Aufwand. Das Resultat ist ein Blütenmeer und spürbar mehr Insekten im Garten.

Rasen raus, Blumen rein – für die Insekten

Als wir vor über 10 Jahren unser Haus gebaut haben, wurden diverse „Gartenzonen“ eingeplant. Als Hobbygärtnerin hatte sie eine sehr klare Idee davon, wie der Garten aufgebaut sein sollte. Vom Bauerngarten über einen Staudengarten, unseren Badeteich und einen Nutzgarten mit Hochbeeten sowie einem kleinen Rasen. Ohne Kinder war uns jedoch schnell klar, dass die Rasenfläche eigentlich unnötig ist. Über die letzten Jahre stand da höchstens mal eine Wäschespinne.

Ansonsten bedeutet der Rasen hauptsächlich Arbeit und wurde von Jahr zu Jahr hässlicher durch massenhaft Moos. Auch unsere Hochbeete hatten ihren Reiz verloren. Zumal wir direkt an einer Baumschule leben, was zwar einerseits immer einen unverbauten Blick ins Grüne bietet, aber andererseits auch Spritzmittel zu uns trägt. Der Baumschüler nutzt auch Pestizide. Da nützt das selbst gezüchtete Biogemüse wenig, wenn das Gift vom Nachbarn kommt.

Daher haben wir uns dazu entschlossen sowohl die Hochbeete abzubauen als auch die Rasenfläche anders zu nutzen. Also wurde der Rasen abgetragen und als Füllmaterial in unserem Knick zweitverwertet. Danach wurden gut zwei Tonnen Sand besorgt, um den Boden ordentlich abzumagern. Nach der Aufbereitung beider Flächen wurden diverse Samenmischungen für Blumenwiesen verstreut. Danach hieß es wässern und abwarten. Da wir mit dem ganzen Wiesenthema recht spät im Mai angefangen haben, waren wir sehr gespannt, ob und was denn wachsen wird. Aber schon nach wenigen Tagen gingen die ersten Samen auf und man konnte den Blumen beim wachsen zusehen.

Bringt ein insektenfreundlicher Garten mehr Leben?

Beide Rasenflächen haben sich total gut entwickelt. Zumindest nach unserem Gefühl. Die ca. 30 m² große Fläche stand im Sommer toll in Blüte. Und wir haben auf den Blüten sehr viele unterschiedliche Insekten entdeckt. Von Wild- und Honigbienen über Hummeln bis zu Schwebefliegen und zahlreichen Käfern und sogar ein paar Schmetterlinge. In den Insektenhotels waren vornehmlich Schlupfwespen und Wildbienen zugange.

Wespen hatten wir dieses Jahr auch. Obwohl wir deren Erscheinen weniger auf unsere Maßnahmen zurückführen. Die Wespen haben ein Nest in unserem Gartenbrunnen am Bachlauf errichtet. Zunächst waren wir skeptisch. Aber wir konnten sowohl entspannt in unserer Lounge-Ecke sitzen als uns auch im Garten frei bewegen. Selbst auf der Terrasse wurden wir nicht gestört. Es ist wohl etwas dran, dass Wespen nie das eigene Revier unsicher machen. Egal. Sie haben uns in Ruhe gelassen, also auch wir sie. Insgesamt waren wir sehr froh über unsere Blumenwiesenaktion und dem Ergebnis im ersten Jahr. Das lässt auf die nächsten Jahre hoffen.

Wie bereitet man die Blumenwiese auf das nächste Jahr vor?

So wie man den Boden vorbereiten muss, um eine Blumenwiese anlegen zu können, so will die Wiese auch ein wenig Pflege erhalten. Die hält sich zwar in Grenzen, aber ein wenig muss man dennoch tun. Eine regelmäßige Maad gehört definitiv dazu. Bei einer gesunden Wiese empfiehlt man zwei Mähzyklen im Jahr. Diese dienen hauptsächlich dazu, durch den neuen Wuchs dem Boden Nährstoffe zu entziehen. Das wiederum verhindert das Wachstum von Gräsern und sonstigen Pflanzen, die man eigentlich nicht in der Blumenwiese haben möchte. Weiterhin sorgt die Maad dafür, dass viel mehr Samen auf dem Boden verteilt werden und es dadurch zu regelmäßigeren Wuchsphasen und mehr Vielfalt kommt.

Wir haben uns diesbezüglich in diesem Jahr nicht regelkonform verhalten, denn wir fanden es schade, dass wir die tollen Blüten kappen sollten. Ende September wurden daher auf der einen Fläche die meisten Pflanzen mit der Hand geschnitten und noch ein paar Unkräuter gejätet. Die restliche Fläche wurde erst viel später mit der Sense gemäht. Den Unterschied sieht man deutlich. Nach der Behandlung im September sind schon einige Pflanzen neu gewachsen. Auf der frisch gemähten Fläche ist der Boden recht karg.

Wir lassen uns überraschen und sind gespannt, wie sich unser Experiment „Blumenwiese“ in den nächsten Jahren entwickeln wird. Dann mähen wir auch regelmäßig und erfreuen uns hoffentlich an noch mehr Blüten und Insekten im Garten. Auf alle Fälle sind wir sehr zufrieden, unseren kleinen Beitrag leisten zu können, damit unser insektenfreundlicher Garten gedeiht.

Insektenfreundlicher Garten und Blumenwiese: alle Schritte im Überblick

  • Alte Fläche nach Möglichkeit von Unkräutern und Rasen befreien
  • Je nach Bodenbeschaffenheit gut 30 cm tief auflockern und mit ordentlich Sand abmagern
  • Blumensamen gleichmäßig verteilen und leicht unterhaken
  • Oberfläche leicht andrücken – z.B. mit einem breiten Brett
  • Danach mehrere Tage ordentlich wässern bis die ersten Triebe zu sehen sind
  • Wenn die Triebe durchbrechen kann man seltener wässern
  • Über den Sommer die Blumenwiese geniesen
  • 1. Maad zwischen Mitte Juni bis Ende August
  • 2. Maad gegen Ende Oktober

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