Sie fehlen in so gut wie keinem privaten Haushalt; ohne sie würden die Böden in der viel beanspruchten Industrie ganz schön „alt“ aussehen – die elastischen Bodenbeläge. Welche Möglichkeiten stehen hier zur Verfügung und welche Eigenschaften weisen die einzelnen Bodenbeläge auf?

Ein Bodenbelag mit langer Tradition

Wer glaubt, dass die elastischen Bodenbeläge eine Erfindung aus jüngster Zeit sind, täuscht sich. Bereits im 19. Jahrhundert wurde z. B. Linoleum erfunden und verlegt. Wie so oft in der Wissenschaft stand dem englischen Chemiker Sir Frederick Walton der Zufall Pate. Er bemerkte, dass sich auf der Oberfläche von Farbtöpfen eine knet- und formbare Haut aus getrocknetem Leinöl bildete. Unter Zugabe von Korkmehl und diversen Harzen walzte er die Masse auf Jutegewebe aus – Linoleum war geboren. Eine herausragende Eigenschaft des Linoleums ist seine Langlebigkeit. In einem Berliner Wohnhaus ließ sich feststellen, dass ein Belag aus dem Jahr 1918 gerade einmal 0,4 mm seiner ursprünglichen Stärke von 4 mm eingebüßt hatte. Linoleum ist schwer entflammbar, beständig gegen Öle und Fette, hygienisch und antibakteriell, antistatisch sowie für Fußbodenheizungen geeignet. Linoleum ist ungeeignet für den Einsatz in Nassräumen und darf nicht mit Reinigungspräparaten behandelt werden, die einen pH-Wert von 9,0 überschreiten.

Wie drei Buchstaben die (Boden-)Welt veränderten

Vinylboden verlegenPVC, die Abkürzung für Polyvinylchlorid, aus denen der Bodenbelag hauptsächlich besteht, zählt neben Linoleum zu den ältesten flexiblen Bodenbelägen. Im Jahr 1912 das erste Mal industriell hergestellt, zählt es heute mit etwa 15 % zu den wichtigsten Materialien für Fußbodenbeläge. Es wird aber auch für die Herstellung von Fensterprofilen, Rohren und Kabelisolierungen verwendet. Von homogenem PVC-Bodenbelag wird gesprochen, wenn der Belag durchgehend aus dem gleichen Material besteht. Heterogene PVC-Bodenbeläge bestehen aus einer Nutzschicht (hoher PVC-Anteil) und gefüllten Unterschichten anderer Zusammensetzung. Diese kostengünstigere Variante wird häufig im Wohnbereich eingesetzt. Bei der Verlegung muss je nach Einsatzort an eine Dampfsperre gedacht werden. PVC weist eine hohe mechanische und chemische Beständigkeit auf; ist trittsicher, antistatisch, widerstandsfähig gegenüber Korrosion und besitzt ein sehr gutes Abriebverhalten. Eine ideale Lösung für Industrieböden oder in viel genutzten privaten Bereichen. Durch die unkomplizierte Pflege kommt PVC auch da zum Einsatz, wo eine gute Reinigungsfähigkeit gefordert ist (Krankenhäuser, Labore, Kantinen).

Gib` ordentlich Gummi, Kautschuk oder doch lieber ein Elastomer?

Die drei Begriffe bezeichnen letztendlich alle den gleichen Bodenbelag. Die Beläge bestehen zu einem großen Teil aus Synthesekautschuk, denn eine Komposition aus Naturkautschuk und natürlichen Rohstoffen ist sehr teuer. Elastomere Bodenbeläge sind als Bahnen, Fliesen, Platten sowie in Formteilen wie Treppen und Abschlussprofilen zu erhalten. Wahlweise in homogener oder heterogener Ausführung, dabei in glatter oder strukturierter Oberfläche werden sie aufgrund ihrer hohen Widerstandsfähigkeit in stark frequentierten Objekten eingesetzt (Flughäfen, Fabrikationshallen, Sportstätten). Sie sind frei von Weichmachern, Formaldehyd, Kadmium und FCKW. Ein besonderes Augenmerk muss auf die Verlegehinweise (Untergrund, Kleber, Akklimatisierung) gerichtet werden. Die Pflege der Böden gestaltet sich durch die porenfreie Oberfläche recht angenehm. Reinigungsmittel sollten sparsam und nicht über einem pH-Wert von 12 eingesetzt werden.

Wenn sich der Baum auf dem Boden breitmacht

Da Korkeichen in den Wäldern schon ein paar Jährchen länger stehen, als die Reagenzgläser in den Laboren der Wissenschaftler, hat Kork die längste Geschichte vorzuweisen. Schon in der Antike wurde Kork zum Verschließen von Amphoren oder für die Schuhsohle verwendet. Kork verfügt bei sehr großem Volumen über ein nur geringes Gewicht und ist durch seine Struktur ein wahres Multitalent. Kork ist lärm- und schalldämmend, strapazierfähig, sehr trittelastisch, pflegeleicht, hygienisch und dabei einfach zu verlegen. Das nachwachsende Naturprodukt ist problemlos recycelbar und steht für eine behagliche, schadstoffunbelastete Wohnatmosphäre. Die Haptik überzeugt; Kork fühlt sich „fußwarm“ an und lässt Stein- und Fliesenböden weit hinter sich. So angenehm und praktisch für Wohnräume umso unzweckmäßiger zeigt sich Kork für den industriellen Einsatz. Korkböden bevorzugen einfaches Kehren oder Staubsaugen. Falls feucht gewischt wird, keine alkalischen Reinigungsmittel zusetzen. Eine Versiegelung kann die stark beanspruchte Korkoberfläche schützen.

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