Stellt der Heimwerker erst einmal fest, dass ein Schreiner in ihm steckt, führt das nicht selten zu einer semiprofessionellen Werkstatt. Zur obligatorischen Schreinerwerkbank gesellen sich dann Gerätschaften wie Abricht-Dickenhobelmaschine, Formatsäge und Bandsäge. Zum selber Möbel bauen ist es da nur ein kleiner Schritt. Und auf dem selbst gezimmerten Esstisch schmeckt die Familienpizza gleich noch mal so gut.

Auf das Holz kommt es an

Sich einen Tisch selbst anzufertigen ist gar nicht so kompliziert. Der Kniff besteht in der Auswahl des richtigen Holzes. Die Tischplatte soll neben ihrer Farbe, schönen Maserung und Zeichnung vor allem plan sein. Der selbst ernannte Schreiner kauft seine Tischplatte nicht etwa im Baumarkt, sondern sucht sich das Holz in der Sägerei selbst aus. Es empfehlen sich harte Hölzer wie Buche, Ahorn oder Eiche.
Holzarten für den Möbelbau © sunnychicka - Fotolia.com

Holzarten für den Möbelbau © sunnychicka – Fotolia.com

Tipp: Die Holzfeuchte einer Bohle sollte für den Möbelbau 10 bis 12 Prozent (Ofenheizung) bzw. 8 bis 10 Prozent (Zentralheizung) betragen. Vor dem Kauf wird aber zunächst eine Skizze des Tisches angefertigt. Durch die Bauanleitung behält der DIY-Fan den Überblick und gleichzeitig dient die Aufzeichnung als Materialliste. Beim Holz etwas großzügiger mit der Menge umgehen, da durch Risse oder Äste zusätzlicher Verschnitt entstehen kann. In der Sägerei hält der DIY-Profi dann Ausschau nach schönen „Kernbohlen“. Wie der Name schon vermuten lässt, erfolgt hier der Schnitt der Gattersäge durchs Zentrum des Stammes (Markröhre). Die „stehenden Jahresringe“ dieser Bohlen sorgen dafür, dass sich die Tischplatte später nicht „verzieht“.

Die Bearbeitung der Tischplatte

Genauer Holzzuschnitt mit der Kreissäge © Kzenon - Fotolia.com

Genauer Holzzuschnitt mit der Kreissäge © Kzenon – Fotolia.com

In der heimischen Werkstatt angekommen, werden die Bohlen zunächst an der Band- oder auch Kreissäge besäumt. Dann steht die Arbeit an der Abricht-Dicken-Hobelmaschine an. Hier tritt dann zum ersten Mal der Aha-Effekt auf, da das Holz mit seiner schönen Zeichnung zum Vorschein kommt. Weniger erfreulich sind die ganzen Späne und Stäube, die dabei aufgewirbelt werden. Da ist es von Vorteil, dass es inzwischen mobile Absauganlagen für Späne und Co. gibt, die sich leicht an die jeweilige Maschine anschließen lassen. Da die zu Rissen neigende Markzone an der Bohle herausgeschnitten wird, entstehen Bretthälften mit je einer Splintholz- und Kernholzkante. Wichtig: Bei der Verleimung unbedingt darauf achten, dass Kernholz an Kernholz und Splintholz an Splintholz kommt. Die Kanten der Bretter mit Leim bestreichen, Bretter ausrichten, mit Querleisten fixieren (ein Stück Zeitungspapier dazwischen, damit nichts festklebt) und dann die Schaubzwingen ansetzen. Während der Leim abbindet, geht es ans Untergestell.

Die Unterkonstruktion des Tisches

Die Konstruktion besteht im Wesentlichen aus zwei Seitenteilen, die sich mithilfe zweier Längszargen zum Untergestell zusammenfügen. Wobei ein Seitenteil aus zwei Tischfüßen und der Querzarge besteht. Für kleinere Tische eignen sich statt Vollholzzargen auch 30 mm starke Rundstäbe. Im Beispiel sind die Vierkanthölzer für einen Esszimmertisch 72 x 72 mm stark und 750 mm hoch. Der Tisch selbst soll bei einer 36 mm starken Tischplatte dann 1800 x 900 mm (L x B) messen. Auch hier besteht die Möglichkeit, die Vierkanthölzer im Baumark zu kaufen, oder sie aus zwei Teilen zu verleimen (erneut Kern-Splint-Regel beachten). Nach erfolgreicher Verleimung die Kanten der Füße an der Oberfräse abrunden und alles sauber verschleifen. Mit dem Streichmaß die Löcher für die Dübel (12 x 50 mm) anreißen. Ebenso an den Längs- und Querzargen verfahren. Dübellöcher bohren, Leim einbringen und Schraubzwingen ansetzen. Keine so langen Zwingen zur Hand?

Tipp: Mithilfe einer zweiten Person zwei Schraubzwingen an den festen Spannarmen einhaken und dann den flexiblen Spannarm am jeweiligen Tischende ansetzen, kräftig anziehen. Dabei nicht vergessen, den Winkel zu kontrollieren. Die Tischfüße sollen ja schön geradestehen.

Die „Hochzeit“ zwischen Tischplatte und Gestell

Wenn das Holz sorgfältig getrocknet, ausgewählt und richtig verleimt wurde, halten sich Quellen und Schwinden in Grenzen. Dennoch empfiehlt sich keine Verleimung der Tischplatte mit der ganzen Gestellfläche. Da der schwere Esstisch kaum bewegt wird und die massive Tischplatte ein stolzes Eigengewicht hat, reichen vier Winkel zur Befestigung gut aus. Zuvor wurde die Tischplatte ebenfalls von Leimrückständen befreit, an der Formatsäge auf Fertigmaß gebracht und an den Kanten mit einem schönen, gefrästen Profil versehen. Zur Veredelung steht nun der Schliff mit Körnung P 180 an. Dann wird die Tischplatte satt mit hochwertigem Leinöl eingelassen – gut eintrocknen lassen und mit einem Exzenterschleifer und Schleifvlies (Körung A 280) fein nachschleifen. Nach nochmaligem dünnen Ölauftrag, eintrocknen lassen, glattpolieren und die Tischplatte mit dem Untergestell verschrauben. Sicherheitstipp: Leinöl oxidiert mit Luftsauerstoff, dabei entsteht Wärme. Bei einem zusammengeknüllten Öllappen kann diese nicht entweichen, der Lappen entzündet sich. Deshalb ölgetränkte Lappen immer im Freien abtrocknen lassen. Viel Spaß mit dem neuen Esstisch.