Im Herbst und Winter ist Hochsaison für Energieberater und Thermographen, die Wärmebildaufnahmen anbieten, um Energieverluste an Gebäuden oder Baumängel sichtbar zu machen. Solche Wärmebilder zeigen Lecks im Wärmeschutz, meist bei Fenstern, Türen oder Rollladenkästen bildlich auf und ermöglichen so eine erste Analyse für eine geplante Renovierung. Um mit einer Wärmebildkamera eine Gebäude untersuchen zu können, sollte ein Temperaturunterschied zwischen dem Innen- und Außenbereich von 12 – 15 °C herrschen. Daher werden die meisten Aufnahmen in der kalten Jahreszeit und dann idealerweise auch morgens oder abends aufgenommen, denn auch im Winter kann sich ein Gebäude unter starker Sonneneinstrahlung so erwärmen, dass die Aufnahmen verfälschte Ergebnisse zeigen. Waren Thermografieaufnahmen bisher Spezialisten vorbehalten, da professionelle Wärmebildkameras durchaus mehrere tausend Euro kosten können, so gibt es mittlerweile auch Möglichkeiten für den Privatanwender, sich einen ersten Überblick zu verschaffen – z.B. mit der Seek Thermal Compact für das Smartphone.

Seek Thermal zeigt Energieverlust

Man sieht am linken (gekippten) Schlafzimmerfenster deutlich den Temperaturunterschied zum rechten Fenster

Seek Termal Compact – Wärmebildkamera für Zuhause

Wir haben vor knapp 8 Jahren neu gebaut und daher ein Haus, das auf einem energetisch recht modernen Stand ist. Wir haben vor dem Bau einen Wünschelrutengänger gehabt, der uns eventuelle Wasseradern aufzeigen sollte und während des Baus dann, wie heute vorgeschrieben, einen BlowerDoor-Test durchgeführt. Dieser Test zeigt Leckagen auf, durch die auch Energie in Form von Wärme entweichen kann. Bei älteren Gebäuden kann man natürlich auch einen BlowerDoor-Test durchführen lassen. Kältebrücken oder andere Schwachstellen an Gebäuden, die zu Energieverlusten führen, werden aber in der Regel mit Wärmebildern ermittelt – der sogenannten Thermografie. Anfang Dezember erhielt ich die Anfrage von Seek Thermal, ob ich nicht eine der neuen Wärmebildkameras für Smartphones testen wolle. Denn damit werden Wärmebildaufnahmen jetzt für Jedermann erschwinglich. Seek Thermal ist ein auf Thermografie spezialisiertes US-amerikanisches Unternehmen, das Wärmebildkameras für iOS- und Android-Geräte in aktuell zwei Varianten anbietet. Das Modell Compact mit Fixfokus und einem Bildwinkel von 36 Grad sowie die Compact XR mit variablem Fokus und 20 Grad Bildwinkel, die mit ihrem Fokusobjektiv auch Objekte über größere Distanzen erfasst. Die Kameras gibt es bereits ab einem UVP von 299,- €.

Da ich ja immer offen für Neues bin und ich das Thema Thermografie durchaus interessant finde, gab ich positives Feedback und schon wenige Tage später lag die kleine Wärmebildkamera im Briefkasten. In der ansprechenden Umverpackung lag dann der kleine Kameraaufsatz, der für mein iPhone passend einen Lightning-Anschluss besitzt. Neben dem Aufsatz wird ein wasserdichtes Schutzgehäuse mitgeliefert, mit dem man die Kamera immer dabei haben oder einfach geschützt lagern kann. Was ich zunächst vermisst habe, war eine Bedienungsanleitung. Aber außer ein paar rudimentären Hinweisen auf der Umverpackung, gab es nichts. Ergänzend zur „Hardware“ gibt es kostenlose „Software“. Es wird eine App für iOS oder Android angeboten, mit der man alles steuern kann. Und in der App gibt es auch die entsprechenden Hilfen und Anleitungen. Die Apps sind sehr intuitiv, daher benötigt man auch keine Anleitung für die Kamera. Downloaden, App starten, Kamera anschließen, ein paar Grundeinstellungen und los geht’s.

Einstellmöglichkeiten der App

  • Temperatureinheit (Fahrenheit, Celsius, Kelvin)
  • Bildformat (4:3 oder 16:9)
  • Wasserzeichen (Datum/Zeit, Standort)
  • Georeferenzierung
  • Bildglättung
  • Falschfarben-Farbpaletten
  • Umschaltung zwischen Foto und Video
  • Thermal-Modus (Normal, Mittelpunkt, Hoch/Niedrig, Grenzwerte)
  • Option „Wärme+“ (gleichzeit normales Foto und Wärmebild erstellen)

Technische Daten

  • Detektor: Vanadium-Oxide-Mikrobolometer, Chalcogenide-Linse
  • Spektralbereich 7,2–13 µm, 12 µm Pixel Pitch
  • 206 x 156 Auflösung, 32.136 Pixel, 36°-Blickwinkel
  • Temperaturerkennung im Bereich von -40 bis +330 °C
  • Wärmeerkennung bis ca. 300 m, genaue Identifizierung bis ca. 60 m
  • Fokus verstellbar für genaues Bild
  • Kostenlose App ab iOS 7.0, Android 4.3
  • Stromversorgung über das angeschlossene Mobilgerät (Apple Lighting, Micro USB)
  • Robustes und leichtes Kameragehäuse aus Magnesium
  • Robustes, wasserdichtes Transportgehäuse mit passgenauer Gummiform

Seek Thermal im Einsatz – eigene Wärmebildaufnahmen erstellen

Nachdem man die App installiert hat, muss man den kleinen Kameraaufsatz anstecken. Danach kalibriert sich der Infrarotsensor permanent, was sich in einem leisen, regelmäßigen Klicken äußert. Das irritiert zunächst, wird aber in der Hilfe auch schnell erklärt. Dann stellt man Farbmodus und Bildformat ein und es kann losgehen. Ich persönlich finde die Option „Wärme+“ sehr interessant. Denn mit ihr kann man immer gleichzeitig 2 Fotos erstellen und sieht das Original und die Wärmebildaufnahme, jeweils mit den gewünschten Angaben (s. Bild ganz oben). Meinem empfinden nach ist das Bildformat 4:3 schärfer als das 16:9. Aber die Qualität der Aufnahmen ist nicht vergleichbar mit einem „normalen“ Foto. Ich habe zunächst ein paar Testaufnahmen im Haus gemacht. Einfach um mal zu sehen, ob es überhaupt funktioniert. Man kann anhand unseres Katers oder einer Herdplatte sehr gut sehen, dass die Kamera unterschiedlich warme Quellen erkennen kann. Im folgenden Beispiel ist der Themal-Modus „Hoch/Niedrig“ aktiviert, der immer die höchste und niedrigste Temperatur anzeigt. Oben sieht man die fertigen Aufnahmen, unten die Sicht innerhalb der App.

Seek-Thermal-Waermequellen

Dass die Temperaturerkennung recht genau ist, sieht man im nächsten Beispiel. Hier habe ich warmes Wasser aus dem Hahn laufen lassen. Und da es bei uns zunächst etwas dauert, bis das heiße Wasser am Hahn ankommt, ist die Temperatur im zweiten Bild rechts dann höher als zu Beginn links. Je nach eingestelltem Falschfarben-Modus werden dann die warmen und kalten Stellen unterschiedlich farbig angezeigt.

Seek-Thermal-Warmwasser

Ich habe für mich noch ein weiteres Einsatzgebiet entdeckt, das zwar auf der Verpackung auch erwähnt wird, aber das nicht ganz so ins Spektrum eines Heimwerkers passt: Wärmeerkennung im Outdoorbereich. Man kann die Seek Thermal auch wunderbar als „Nachtsichtgerät“ nutzen, wenn man z.B. des Nachts draußen unterwegs ist und wissen möchte, ob sich Mensch oder Tier in der näheren Umgebung aufhalten. Wie man auf dem folgenden Foto wunderbar sehen kann, sieht man links buchstäblich die Hand vor Augen nicht. Das Foto ist aus dem Fenster in Richtung unseres Hochbeets geschossen. Mit der Wärmebildkamera und der entsprechenden Farbeinstellung, sieht man dann plötzlich die Umrisse des gesamten Beetes. Und wenn sich dort eine Wärmequelle aufhalten würde, dann wäre sie problemlos als heller Schemen zu erkennen.

Seek-Thermal-Nachtaufnahme

Mein Fazit:

Eine Wärmebildkamera für knapp 300 Euro kann sicherlich keine vergleichbaren Ergebnisse liefern, wie ein Gerät für mehrere tausend Euro. Die Seek Thermal Compact Wärmebildkamera ist aber im wahrsten Sinne eine sehr kompakte und leichte Wärmebildkamera für viele Einsatzzwecke im Heimwerker oder semiprofessionellen Bereich. Um erste Lecks an Gebäuden zu identifizieren, an denen Wärmeverluste auftreten können, ist sie sicherlich geeignet. Ob man damit wie angepriesen auch Leckagen an Wasserleitungen erkennen oder elektrische Verbindungen (Kurzschlüsse) identifizieren kann, lies sich leider nicht testen bzw. entzieht sich das meiner Fachkenntnis. Die Kamera ist aber sicher mehr als ein reines Spielzeug, denn wer will schon Wärmebilder seiner Katze erstellen. Wer sich generell für das Thema Thermografie, insbesondere an Gebäuden, interessiert, der findet hier ein sehr umfangreiches Handbuch zur Bauthermografie als PDF-Download. Und der interessierte Heimwerker, der einen passenden Einsatzzweck hat, wird für sich entscheiden, ob diese Wärmebildkamera seinen Zwecken genügt oder nicht.

Etwas irritiert hat mich, dass laut technischer Beschreibung nur die etwas teuere Version der Compact XR eine verstellbare und fokussierbare Linse haben soll. Aber entweder stimmt diese Angabe nicht, oder man hat mir versehentlich eine XR in der Schachtel für die normale Compact geschickt. Denn an meiner Testkamera ließ sich der Fokus durchaus justieren, was man an unterschiedlichen Schärfegraden der Fotos erkennen konnte.


Hinweis zu unseren Produkttests: Wir bekommen hin und wieder Anfragen von Unternehmen zu Produkttests. Sofern die Produkte zu uns und unseren Themengebieten passen, nehmen wir solche Produkttests an. Dabei wird vereinbart, dass uns das Unternehmen das zu testende Produkt zusendet und nach dem Test kostenfrei überlässt. Im Gegenzug testen wir das Produkt im Rahmen unserer Möglichkeiten entweder alleine oder in einem passenden Projekt. Wir lassen uns von den Unternehmen nicht diktieren, wie wir die Testartikel zu erstellen haben. Wir veröffentlichen unsere freie redaktionelle Meinung und in der Regel eigenes Foto- oder Videomaterial. Bei Fragen zu unseren Produkttests freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme.

 

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