Wenn deine Pflanzen SMSen oder twittern
Es soll ja Pflanzenliebhaber geben die angeblich mit Worten auch noch die hoffnungslosesten Fälle zum Wiedererblühen bringen. Mir fehlt diese grüne Stimme, ich habe ja nicht mal einen grünen Daumen. Deshalb habe ich es auch aufgeben, mir Bonsai anzuschaffen. So toll ich diese Bäumchen finde, aber bisher sind mir alle vertrocknet.
Vielleicht hätte ich schon früher vom Botanifon oder den Botanicalls erfahren sollen. Denn dann hätte ich mir einfach einen solchen Pflanzenflüsterer geholt und meine Bonsai hätten einfach kurz einen SOS-Tweet abgesetzt. “Wasser … wir brauchen Wasser”. Oder “Bonsai an Gießkanne. Bonsai an Gießkanne. Bitte Wasser.” Den Tweet oder eine SMS, Mail oder was auch immer über diese Dinger geschickt werden, hätte ich vielleicht täglich gelesen und mich daran erinnert, dass im Garten jemand verdurstet.
Kein Scheiß. Diese Dinger gibt es tatsächlich. Und wer rund 75,- Euro und viel Zeit und technisches Verständnis investiert, der kann sich einen entsprechenden Bausatz kaufen – selbstverständlich mit Opensource Komponenten. Irgendwie ein interessante Vorstellung. Aber auch ein wenig erschreckend. Denn wie geht es weiter? Knipsen oder filmen die Pflanzen ihren Zustand und pushen den auch gleich auf flickr oder youtube? Bebt dann irgendwann die Erde vor dem Haus von Herr Meier, wenn Baumbart und seine Ent-Armee anrücken, weil Herrn Meiers Zitronenbäumchen verzweifelt alle sozialen Netzwerke mit Hilferufen zuspamt und dank Google Maps auch gleich den Tatort mitliefert? Schöne neue Welt.



17. Februar 2010 
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